Olaf Wille trainiert junge Radballer: WM-Teilnehmer will die Wiederbelebung einer Sportart
Dem Münsteraner an sich ist der Drahtesel so vertraut wie unseren niederländischen Nachbarn. Auch die Variante Sportmaschine steht bei vielen im Keller – im Vergleich dazu stand die Hallensportart Radball schon immer tief im Schatten. Auch in Münster.
Dem Enthusiasmus des langjährigen Bundesliga-Spielers Olaf Wille ist zu verdanken, dass sich beim RSV Münster drei Jugendmannschaften für die anstehende Saison anmelden.
Nicht jedermann weiß noch, dass Olaf Wille, heute 42, in den 1990er Jahren Verein und Stadt national wie international herausragend repräsentierte. In der Mauritzschulhalle gab es Bundesligasport zu sehen im 2er-Radball. Gemeinsam mit Willi Sattler, der stets aus der Nähe von Wesel angerauscht kam, wurde Wille WM-Vierter in 1997 und nach vorher erreichten Spitzenplätzen auch Deutscher Meister in 1999.
Mit dem Sohn zurück in die Halle
Dann widmete sich Wille der Familie und dem Job, gab die Sportkarriere dran. Es passt, dass sein Sohnemann Christopher, heute 10, Feuer fing, als er mal zusah, wie der Vater beim Turnier in Leeden (Tecklenburg) mitspielte. „Er hat dann mal ein paar Freunde mitgebracht in die Mauritzschule, wo wir vom RSV gelegentlich noch unserer alten Leidenschaft nachgingen.“
Nicht, dass Christopher gleich eine Welle lostrat – aber auch durch gezielte Werbung schaffte es der RSV, die Gruppe der Kids immer größer zu machen. Olaf Wille und Klubkollegen wie Pascal Eßer und Harald Ewels üben jetzt mit neun jungen Radballern im Alter von neun bis 15 Jahren. Das ist mehr als ein Anfang. „Sieben Jungs beantragen jetzt eine Lizenz und starten in der Meisterschaft. Wir werden ein Jahr lang vielleicht Lehrgeld zahlen müssen, aber das macht nichts.“
Leihräder besorgt
Nur so geht’s bei einer solchen Randsportart – der fitte Fachmann geht voran, kümmert sich ums adäquate Training der koordinativ anspruchsvollen Sportart, telefoniert und mailt unablässig durch die Gegend, um an Sportgeräte zu kommen. Sein 35 Jahre altes Rad ist noch in Gebrauch, aber die kleineren Asse sollen richtig bestückt werden.
Es gab ja keine Sportgeräte mehr – also besorgte Olaf Wille zwei Leihräder des NRW-Verbandes und zwei vom RSC Blitz Schiefbahn. Für die Willicher ist Wille im 5er-Radballteam der Alten Herren Ü 40 am Start – erfolgreich selbstredend, gerade hat sich der NRW-Zweite in die Bundesligaqualifikation gesiegt.
In Münster aber sollen eigene Sporträder stehen. Die auffälligen Lenker, die wie Hörner nach oben ragen, charakterisieren die Modelle ebenso wie die starre Übersetzung – es wird auch rückwärts gefahren – oder der Sattel ganz hinten, wo bei unserem Drahtsesel der Gepäckträger angeschraubt ist. Beim Radball wird gefahren, gestanden, geschossen und gehalten – die Balance muss stimmen, sonst liegt man zu oft auf der Nase.
Geld für drei Räder zusammen
Bis zu 1250 Euro kostet ein Rad und „nach Ostern müssen wir welche kaufen, denn die Leihräder werden zurück verlangt.“ Inzwischen hat der RSV Gelder für drei Zweiräder beisammen, der Stadtsportbund und die Sparkasse Münsterland Ost waren behilflich. Olaf Wille bestückt zudem Banden, die der RSV bei Demonstrationsspielen aufstellt, mit Werbung.
Und ist zuversichtlich, was die Wiederbelebung dieses Spezialsports angeht. „Die Kids machen große Fortschritte und sind sehr motiviert. Sie bekommen den Blick dafür, wie man ein Spiel aufzieht.“ Thomas Austermann
Quelle: Echo Münster |